Forschungsstelle für Umweltbeobachtung - FUB

Die FUB - Forschungsstelle für Umweltbeobachtung feierte im Jahre 2017 ihr 20-jähriges Jubiläum der AG-Gründung. Sie ist das, was heute ein Spin-off einer Hochschule genannt wird und entstand im Umfeld der Universität Zürich. In der Anfangszeit war die Firma von ihrer AG-Gründerin Lotti Thöni geprägt, welche im Jahre 2019 pensioniert wurde. Auch der Standort wurde durch sie bestimmt, da sie nahe von Zuhause sein wollte um  Beruf und Familie zu vereinbaren. Öffentliche Betreuungsplätze für Kinder gab es damals noch kaum. So entwickelte sie „aus der Not heraus“ eine flexible Zeiteinteilung, die ihr mit Unterstützung ihres Mannes und mit Nachbarschaftshilfe die Betreuung ihrer drei kleinen Kinder und die Führung ihres Geschäfts ermöglichte. Die Anschaffung eines Mobiltelefons – damals noch sehr unüblich – verschaffte die nötige Erreichbarkeit.

Familiäre Atmosphäre und individuelle Lösungen

Diese mobile Erreichbarkeit wird bis heute von allen Mitarbeitenden, welche alle Teilzeit arbeiten, auch an freien Tagen gewünscht. Auch die familiäre Atmosphäre der Gründungszeit ist bis heute spürbar. „Nichts ist von sich aus unmöglich“, ist ein Leitsatz des Unternehmens und so wird allen Mitarbeiterinnen eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene flexible Zeiteinteilung angeboten. Im Leitbild werden ethische Werte und familienfreundliche Arbeitsplätze postuliert. Das Personalreglement erwähnt die Familienfreundlichkeit. Weiter ins Detail gehen die Vorgaben nicht. Die Lösungen werden aus der Situation heraus entwickelt. So ist es bei der Forschungsstelle für Umweltbeobachtung auch schon vorgekommen, dass an der Verwaltungsratssitzung das Kind einer Mitarbeiterin als spezieller Gast anwesend war oder dass im Büro ein Kind, dessen Kindergarten ausgefallen war, fröhlich am Basteln war. Die Tochter der Geschäftsführerin war schon als 10-Jährige für die Firma im Einsatz.

Die Firma expandierte, und es wurden dabei fast nur Mütter angestellt. „Es war aber keine Bedingung“, sagt Lotti Thöni schmunzelnd. Es ergab sich von selbst, weil die Firma eine grosse Flexibilität anbieten konnte. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist die, dass ein Teil der Stellenprofile qualifizierte und exakte, aber repetitive Tätigkeiten beinhalten, wodurch sie als Vollzeitstellen für eine längere Zeitdauer nicht geeignet sind. Je nach individueller Situation werden diese Teilzeitstellen über einen längeren Zeitraum besetzt oder sie sind eine Übergangsphase und ein Sprungbrett für eine neue Tätigkeit. Diese Stellen werden von Müttern, teilweise auch von WiedereinsteigerInnen, gerne genutzt. Die Arbeitsstellen sind attraktiv, was dazu führt, dass in letzter Zeit MitarbeiterInnen nicht aufwändig rekrutiert werden mussten, sondern sich aus dem Umfeld der bestehenden Belegschaft ergaben.

Die Projektorganisation läuft so, dass für jede Tätigkeit zwei Personen die nötigen Kompetenzen vorweisen. Darin liegt ein grosser Vorteil für die Firma, weil bei Absenzen eine Stellvertretung vorhanden ist. Erst kürzlich konnte so ein unfallbedingter Ausfall von über zwei Monaten überbrückt werden, indem zwei Mitarbeiterinnen vorübergehend ihr Pensum aufstockten.

Jemand braucht den Überblick

Die Herausforderung dieser Arbeitsorganisation liegt in der Kommunikation, die etwas mehr Sorgfalt braucht und die nach dem Motto funktioniert, etwas lieber zweimal aufzuschreiben als gar nicht. Es braucht sehr selbständige MitarbeiterInnen, die vorausdenken können und sich in diesem Netz aus Kompetenzen zurechtfinden und gut als Team arbeiten können. Diese Selbstorganisation hat aber auch ihre Grenzen. Damit das Geschäft läuft und Unregelmässigkeiten sofort erkannt werden, muss es eine Kommunikationsschnittstelle geben, und so ist es bei diesem Modell und in diesem Geschäftsfeld von grossem Vorteil, dass die Chefin jeden Tag im Büro anwesend ist.

Gewinn fürs Unternehmen

Aus Unternehmenssicht ist diese Organisationsform schon fast Bedingung für die sehr spezifischen Anforderungen, die sich aus Umweltmessungen ergeben. So können Mitarbeitende mit den nötigen Kompetenzen in der Firma gehalten werden. Ein Pluspunkt ist, dass mehr Mitarbeitende angestellt sind, als dies bei Vollzeitstellen der Fall wäre, was zu mehr Kompetenzen führt und damit zu mehr Ideen. Dies zeigte sich erst kürzlich, als ein neues Angebot umgesetzt wurde. Da gab es mehr Köpfe, aus denen Ideen sprudelten.

Steckbrief FUB

  • Standort: Rapperswil SG

  • Gründung: 1989. 1997 wurde eine AG gegründet.

  • Tätigkeit: Mit einem eigenen Labor im Bereich Umweltanalytik werden Dienstleistungen im Bereich anorganischer Umweltbeobachtung angeboten. Dazu Umweltbeobachtung und botanische Fragestellungen mit Spezialgebiet „Moose“.

  • Führung: 4, davon 2 Frauen (Geschäftsleiter Mario Meier)

  • Mitarbeitende: 8, davon 7 Frauen